Gemeinschaftliches Wohnen in der Viehtriftgasse

2016 sind in der Viehtriftgasse im Rahmen des Bauträgerwettbewerbs insgesamt 35 geförderte Mietwohnungen entstanden, mit dem Ziel leistbaren Wohnraum für generationenübergreifende Ansprüche zu schaffen. Das Besondere sind die flexiblen Wohntypen, acht anmietbare Zusatzflächen (sog. Plus-Räume wie Atelier, Büro etc.) und vielfältig nutzbare Gemeinschafträume (Fitness, Yoga, etc.) im gesamten Wohngebäude. Es wurden flexible Wohnungstypologien für 1-Personen, 2-Wahl-FreundInnen, Paare und 4-Wahl-FreundInnen ermöglicht. Die Wohnungen können frei nach den jeweiligen NutzerInnenbedürfnissen verwendet werden.

Dieses Angebot bietet räumliche Rahmenbedingungen für Lebensgemeinschaften unterschiedlicher Beziehungskonstruktionen, in der der Freiraum des Individuums berücksichtigt wird. Das Projekt bietet einen zukunftsweisenden Beitrag zum Thema Wohnen für die Gesellschaft (Ältere, AlleinerzieherInnen, Singles, usw.). Es greift den gesellschaftlichen Bedarf auf und bietet Möglichkeiten der Mitsprache, Mitgestaltung bzw. Selbstverwaltung und Selbstbestimmung.

Innovative Wohnformen für moderne Ansprüche

Die Wohnungstypen sind vielfältig ausgerichtet; die unterschiedlichen Größen und Kosten erfüllen die individuellen Wohnbedürfnisse. Die ICH-DU-WIR+-Wohnungen sind offen für einzelne Personen und Paare, aber auch für AlleinerzieherInnen-Paare, die genügend Rückzugsfläche für die beiden Kleinfamilien und trotzdem einen gemeinschaftlichen Raum bieten. Auch das Mehrgenerationenwohnen und das Singlewohnen in der Gemeinschaft ist möglich. Im Zuge der Projektentwicklung ergab sich ein gemischter Personenkreis jeden Alters. Das zeichnet dieses Projekt besonders aus: das flexible Reagieren auf aktuelle NutzerInnenbedürfnisse.

Architektur unterstützt Gemeinschaft

Das kommunikative Zusammenleben gibt dem Gebäude Gesicht und Identität. Gut zwei Jahre nach dem Ersteinzug ist bei den BewohnerInnen in der Viehtriftgasse der Alltag eingekehrt. Die Architektur schafft die notwendigen Räume für einen interaktiven und individuellen Lebensbereich. Der Eingangsbereich im EG ist das „programmatische Herz“ der Wohnhausanlage: der zentrale, multifunktionale Gemeinschaftsraum („Bewohnertreff“) mit vorgelagerten Kommunikationsplätzen im Außenbereich schafft Raum für Begegnung, sei es zufällig oder zu vereinbarten Treffen (z.B. Veranstaltungen). Besonders beliebt sind die gemeinschaftlichen Flächen im EG: der Kinderspielraum sowie der verglaste Gemeinschaftsraum werden für Public Viewing oder Geburtstage gerne genutzt. Die im 1. und 2. OG mit Tageslicht akzentuierten Mittelgänge führen zu den insgesamt drei angrenzenden Gemeinschaftsflächen (Raum für das „gesellige Zusammensein“, Lese- und Lernraum, Yoga- und Meditationsraum). Die insgesamt 8 Plus-Räume sind von den BewohnerInnen als Atelier, Musikzimmer oder Arbeitszimmer angemietet worden. Die im DG befindlichen Gemeinschaftsterrassen, mit zwei angrenzenden Waschküchen, werden gerne als Freiraumatelier genutzt. Der Fitnessraum mit Trainingsgeräten verbessert die Lebensqualität der BewohnerInnen um ein Vielfaches und spart den Weg ins Fitnesscenter.

Interaktion mit der Nachbarschaft

Ein weiteres Merkmal des Projekts ist die Interaktion mit der umliegenden Nachbarschaft. Die Vernetzung im „Grätzel“ fördert die Gemeinschaft, dafür wird der Gemeinschaftsraum mit dem Vorplatz im EG als ungezwungene Kommunikationsfläche genutzt. Auch die Nachbarn haben die Möglichkeit, die Plus-Räume als Büros oder Zusatzfläche anzumieten. Hier entstehen Freundschaften über die Grundstücksgrenzen hinweg und die bereits ansässigen Menschen profitieren von den neuen Nachbarn.

Im Einklang mit der Ökologie

Das Projekt realisiert ein Gebäude im guten Niedrigstenergiehausstandard, welches mit Fassadenlüftern mit Wärmerückgewinnung ausgestattet ist, die in allen Aufenthaltsräumen jeder Wohnung vorhanden sind. Der Restwärmebedarf und die Warmwasserversorgung wurden mit einer Gasheizzentrale, gekoppelt mit Solar am Dach, ausgestattet. Weitere positive Elemente sind die LED-Beleuchtung für die Allgemeinbereiche. Das gesunde und umweltbewusste Wohnen wird durch die Auswahl von emissionsarmen Produkten positiv unterstützt. Außenliegende Raffstores unterstützen die Behaglichkeit im Sommer.

Kostenprognosen mit Erfolgsqualität

Es ist gelungen, die im Bauträgerwettbewerb angegebenen Ausstattungen und Qualitäten annähernd vollständig in der Umsetzung zu realisieren. Sowohl die architektonische Erscheinung als auch das Angebot an Gemeinschafts- und Zusatzräumen, welche dem durchgeführten Partizipationsprozess zu Grunde liegen, finden sich im ausgeführten Projekt wieder. Die Typologie ist besonders flexibel, da sie für unterschiedlliche Wohnnutzungen denkbar ist

Schnelle Bauzeit und effiziente Baulogistik

Die oberirdischen Geschoße wurden als Halbfertigteile mit Hohlwänden und Elementdecken ausgeführt. Dies brachte eine Effizienzsteigerung in der Baulogistik sowie eine Verkürzung der Bauzeit auf 13,5 Monate aufgrund der standardisierten Bauelemente. Eine Besonderheit war die Haustechnikführung der Installationsleitungen, welche als horizontaler Schacht entlang des Stiegenhausganges geführt wurde. Aufgrund dieser speziellen Lösung war die flexible Anordnung der Wohnungsrundrisse bis spät in den Projektablauf möglich. Zudem war die flexible Festlegung von Wohnungsgrößen und Grundrisskonzeption als Baukastensystem durch freie Anordnung der Wohnungstrennwände möglich.

Lage & Infrastruktur

Der Standort des Modellprojekts befindet sich in der Viehtriftgasse 3 im 21. Wiener Gemeindebezirk nahe der Leopoldauer Straße.

Öffentlicher Verkehr: Bus: 29A (Floridsdorf U6 | 15min); 27A (Rennbahnweg U1 | 13min) ; 31A (Siemenstrasse S1, S2 | 12min)
Naherholung: Alte Donau (Fahrrad | 12min)

 

Stadtplan

Auszug aus dem digitalen Stadtplan der Stadt Wien;
Quelle: Stadt Wien – ViennaGIS  http://www.wien.gv.at/viennagis; 3.5.2013